Sommer Winter

Sibir Ski – Ein Wintermärchen

Auch wer damals in Geografie massiv uninteressiert war … jeder hat zumindest einmal im Unterstufenatlas geblättert … und auch jedem ist die schiere Weite und Größe dieses riesigen Landes im Osten aufgefallen. Russland ist überwältigend, und Sibirien drei-viertel davon.

Doch bevor wir dieses Abenteuer antreten konnten, stand für unsere Schitourengruppe erst einmal ein kleines Kennenlernen, sozusagen ein kleines Warm-Up auf dem Programm. Im September, glaubten wir, wäre ein guter Zeitpunkt letzte Fragen zu klären und sich gegenseitig ein bisschen bei einer lockeren Mountainbikeausfahrt auf den Zahn zu fühlen. Beim teilnehmenden Fahrerfeld (und dessen Ruf) beschlich mich ehrlich gesagt schon eine finstere Vorahnung, die ich jedoch mit der Leichtfertigkeit eines jungen Kosakischen Reiters beiseite schob. Hinterher sollte sich herausstellen, dass von den Zeitanteilen her das Radfahren an sich nur einen kleinen Teil dieses Ausflugs einnehmen sollte. Dies lag einerseits am sportlichen Ehrgeiz sowie Trittfrequenz, als auch an der ausdauernden Geselligkeit der Teilnehmer in Verbindung mit perfekt gekühlten Weißweinen auf der Enzianhütte. Endresultat dieses Nachmittages/Abends waren schließlich viele geklärte kleine Fragen und eine dicke fette ungeklärte, nämlich: „Wird der Axel mit dem frisch gebrochenen Oberschenkelhals zweieinhalb Monate später nach Sibirien mitfahren können?“

… und die selbstbewusste Antwort zwei Wochen vor Reiseantritt lautet: „JA!“ So schlenderten wir kurz darauf über den Schwechater Flughafen, verfolgt von einem frisch verschraubten Unverwüstlichen … auf dem Weg ins ferne Abakan, Abchasien, Sibirien, Russland.

Nach 5 Stunden Flug von Moskau landeten wir am idyllischen Abakan International Airport, der ganz dem russischen Architektur-Stereotyp entsprach: Grau, verfallen, hässlich. Per Bus gings vorbei an Plattenbauten und allerlei Schmucklosem, an schneefreien Steppen und Wäldern … Erste Zweifel wurden verbalisiert.

Doch wie bei allen guten Märchen gehörte das einfach zur Dramaturgie. Auf einmal wird alles weiß und die Schneewände links und rechts der Straße beginnen zu wachsen. Die Bäume tragen Schnee, das Gelände wird zumindest hügeliger … Vielleicht doch eine gute Entscheidung herzukommen?

Am Eingang zum Tom Tal steigen wir schließlich um in einen Zug, der uns auf der letzten Etappe direkt ins Winterwunderland bringen sollte. Plötzlich sagt man uns wir seien da. Mitten im Busch steigen wir neben ein paar Garagen aus. -15° Celsius. Kein Bahnsteig. Kein Bahnhof. Keine Straße. Aber tiefe Gräben im Pulverschnee, die den Weg in die Unterkunft weisen.

Den Versehrten setzen wir gleich auf den Gepäck-Schidoo, damit wir uns nicht unmittelbar blöde Blicke und Getuschel zuziehen … und wir wandern zwei Kilometer weit – inklusive einer kurzen Bootsfahrt über den Fluss Tom – in unsere Hütte. Endlich da.

Was folgte waren 7 Tage Schitouren im perfektem Pulver. Faceshots à la Kanada, steile Waldabfahrten und offene Lawinenstriche. Kalte Temperaturen bis -18°, die den Schnee unter den Schuhen knirschen lassen. Nach dem Schifahren Apres Ski, Banya (Sauna), Abendessen und Schlafen. Alles ist einfach … wie die schönsten Dinge im Leben halt sind.

Die Eingangs erwähnte, und beinahe schicksalhafte Geselligkeit sollte uns hier fernab der Heimat schließlich auch noch zum Vorteil gereichen. Tatsächlich machte sich Mitte der Woche eine kleine Lagerkrankheit breit, die vor allem ein paar amerikanische Freunde ausser Gefecht setzte. Aufgrund ausreichender Desinfektion mit zwei sibirischen Heilmitteln, nämlich Alkohol und ultrascharfem atomarem Supersenf … blieben wir Gott sei Dank weitestgehend verschont vor Downdays. Lediglich am letzten Tag kam es aufgrund von kleineren Ermüdungserscheinungen und der Links-Rechts-Schwäche beim Schischuh anziehen zu Ausfällen in unserer Runde.

Die am Nachmittag daheim Gebliebenen nutzten diese Ruhephase aber perfekt um sich auf die Farewell-Party am letzten Abend vorzubereiten. MVP (Most Valuable Player) an diesem Abend war der Wahl-Vorarlberger, der uns, aber auch die gesamte Hütte inkl. aller russischer Skidoo-Fahrer mit sich ganz nach Kosakischer Tradition ins Vodka-Delir riss. Ein gebührender und schallender Abschluss für ein Pulverschnee-Märchen, welches man gerne seinen Enkelkindern erzählen wird.

DANKE TEAM!

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